ET LUX.

Musik von Johann Sebastian Bach
Texte von Thomas Kunst

 

Konzept und Adaption von Julia Sophie Wagner

und Jakob Lehmann

TEXTE


PRIMA PARTE.

1. CORO
Tutti
Wer weiß wie unser Leben endet
Sopran
Gott ahnt, wohin er uns begleitet,
wie lange es auch scheinen mag
kurz nicht kurz am liebsten so viel länger
Tutti
Wir sagen keinem Lebewohl
Alt
Wir wollen alles, nur nicht sterben
Wir wollen leben bis zum Ende
Tutti
Der Tod lässt täglich ab vom Leben
wir folgen ihm schon längst nicht mehr
Tenor
Die Letzten Worte die wir für uns haben
Geh´n mit uns
Und nicht mal Gott, nicht einmal Gott kennt sie
Tutti
Wenn niemand geht
Bist Du, Gott, allein
und bist dann ohne Gnade


2. RECITATIVO
Bass
Du stirbst, ich bleib
Ich bleib auch ohne dich
Bleib, ohne dich nochmal zu rufen
in deinem Raum sind Dinge
die niemals sterben
ich will mit meinen Augen reden:
sie schonen und verderben
mein Gott, ich hab das Recht
dich anzuzweifeln, denn du hast
mir keine Zeit gelassen
mich zu verabschieden und selbst den Tod
als Ende wahrzunehmen
Ich kann nicht mehr
ich lebe besser ohne dich
Wenn ich dich brauch, verlass ich dich
Erwarte nichts von dir, mein Gott
Ich lebe, bin nicht länger tot

3. DUETTO
Sopran & Alt
Du bist mein Gott, ich traue dir
Du bist doch da, verändere mein Leben nicht,
halt mir den Tod vom Leib und mein Erblassen
Ich kann doch meinem Körper nicht entrinnen
Leg deine Hand auf meine Stirn
wie früher vor dem Schlafengehn
du bist doch da, du bist noch da

4. RECITATIVO
Bass
Wir drehen uns im Kreis, wir tanzen nicht
Die Welt geht unter, Gott bewahre uns
Wir tanzen nicht im Kreis, wir drehen uns,
auch wenn die Welt zerbricht, wir warten
auf das Ende und fühlen uns erlöst.


5. CORO
Tutti
Aus tiefer Not schrei ich zu dir,
hörst du mich wirklich wieder nicht
hörst du mich denn nicht rufen, Gott
wie kannst du mich nicht achten
wer kann vor dir bestehen, Herr,
ach, wir sind doch nur Menschen
Wer kann vor dir bestehen

6. RECITATIVO
Tenor
Wo bist du denn, die Welt, sie ist so roh,
Wo Liebe war ist Neid,
wo Liebe war, da ist nun Ende
Auch wenn wir beten ist immer auch die Hölle nah
Ich glaube nicht an dich, nicht mehr, nicht mehr
Der Tod ist zuverlässiger als du
Und wenn ich nicht an dich glaube, sterben
Menschen, wie kamst du nur mit Demut
und Vergebung aus,
Ach, Die Welt ist sinnlos, ohne Schutz so leer

7. ARIA
Tenor
Von allen Geistern sind wir nie verlassen
Wir halten Zwiesprache mit uns in Not
Wir sollten uns an die Sehnsucht erinnern
Erinnerung schmälert unsern Tod
Und wenn kein Gott zur Stelle ist, dann beten
Wir lauter, egal wer uns hört

8. CHORAL
Tutti
Ich lieg im Streit und widerstreb,
Hilf, o Herr Christ, dem Schwachen!
An deiner Gnad allein ich kleb,
Du kannst mich stärker machen.
Kömmt nun Anfechtung, Herr, so wehr,
Daß sie mich nicht umstoßen.
Du kannst maßen,
Daß mir's nicht bring Gefahr;
Ich weiß, du wirst's nicht lassen.

9. ARIOSO
Bass
Wovor habt ihr denn Angst, ihr:
ohne Glauben

10. ARIA
Bass
die Welt ist es nicht mehr wert


wir brauchen dich nicht mehr, mein Gott
Die Menschheit ist entkräftet


Vertrauen wir auf das Ende, Gott


Die Türe schließt, wir bleiben davor

11. CORO
Tutti
Wer wird mich erlösen,


Wer gibt mir ein Zeichen,


Wann lasse ich los,

gib mir ein Zeichen,
Der Tod der Guten und der Tod der Bösen
Für Gott ist diese Welt zu groß

SECONDA PARTE.

12. CORO
Tutti
Gott, ich hab dich auserwählt,


mich, wenn es Zeit wird, abzuholen


Gott, Es soll nur dein Geheimnis bleiben: wann -
und ob ich mich von allem lösen kann

13. ARIA
Bass
Ich bin bereit, du abgeklärtes Leben,
Abschied zu nehmen von der Welt
ich komm mir klein vor, unerlöst
Zieh mich zu dir, stoß mich ins All

14. TERZETTO
Sopran, Alt & Bass
Solange wir uns sicher sind


Und nie etwas bereuen müssen
Solange wird uns Gott verschonen
Wir werden diese Welt bewohnen
Der Tod kommt niemals wieder vor
Und Angst und Unglück sind verloren


15. ARIA
Alt
Wir lieben und wir beten nicht
Wir beten nur, wenn wir uns lieben
Und hören nicht zu leben auf
Wie ist denn einem Gott zu danken
Da wir in unsrer Liebe schwanken
Vergibt er uns, vergibt er nicht

16. RECITATIVO
Tenor
Wir haben Angst, dass alles untergeht,


Es uns am Ende nicht gelingt, noch abzuheben


In Trauer alt zu werden, in Trauer alt zu sein,


das ist am Ende für uns auch kein Überleben


Die Mitfreude hat ihren Trost zu überspielen


Wenn wir uns nicht mit andern freu’n, sind wir schon tot
Das Gift aus Neid und Schadenfreude triumphiert


Wir sind nicht alle gleich, wenn wir die Welt vernichten
Uns stört kein Gott dabei, wofür wir ihn verfluchen


Wir schämen uns, dass wir das Glück der Welt nicht suchen

17. CHORAL


Tutti
Sing, bet und get auf Gottes Wegen,
Verricht das Deine nur getreu


Und trau des Himmels reichem Segen,
So wird er bei dir werden neu;
Denn welcher seine Zuversicht


Auf Gott setzt, den verlässt er nicht.

18.ARIA
Sopran
Werden wir uns wiederseh’n, uns jemals wiederseh’n


Ich habe Gott gefragt, oh ja,


Ich fragte ihn, ich fragte ihn


Alles könnt ich wiederholen

Ich habe Gott gefragt, oh ja,
Alles nächstes Mal richtiger versteh’n
Und Er sang, er starb, ich fragte ihn
Deine Liebe ist Gesang


Ohne Liebe kein Gebet

19. RECITATIVO CON STRUMENTI
Bass
Ich kann nicht mehr, wenn das mein Ende wäre
Dann will ich endlos weitersterben


Und andere Todesfreuden teilen


Von Zeit zu Zeit verenden
Wer mir jetzt hilft, verlängert nur mein Leben
Ich bin bereit, jetzt aufzugeben


Erbarme dich, oh Herr


Und zieh mich in die Nacht
Verlasse ich mich auf den Tod


Spür ich die kalte Sehnsucht nach den Steinen
Die Not ist ein Gebet


Ich bleibe liegen, meine Kräfte schwinden
Von Gott habe ich lange nichts gehört


Nicht einmal seinen Namen


Ob ich von ihm erlöst bin


Ob meine Blicke enden


Der Morgen dämmert, und die Frauen weinen

20. DUETTO
Sopran & Alt
Gesang der Gebete


Gesänge der Nöte


Gebete im All


Die Stimme der Ängste


Die Angst ohne Glieder


Gesänge der Ängste


und Nöte im All


Verbunden im Geiste,

nur dich will ich sehen
Die Nöte gehören in keins der Gebete

21. CORO
Tutti
Und wir singen geduldig vom Leben
Und sterben uns wach


Und wir lieben uns müd

   Choral im Tenor
       Was helfen uns die schweren Sorgen
       Was hilft uns unser Weh und Ach
       Was hilft es, dass wir alle Morgen
       Beseufzen unser Ungemach
       Wir machen unser Kreuz und Leid
       Nur größer durch die Traurigkeit
   Choral im Sopran
        

       Denk nicht in deiner Drangsalshitze
       Dass du von Gott verlassen seist
       Und dass Gott dem im Schoße sitze
       Der sich mit stetem Glücke speist
       Die folgend Zeit verändert viel
       Und setzet jeglichem sein Ziel

22. CHORAL
Tutti
Wer weiß, wie nahe mir mein Ende
Hin geht die Zeit, her kommt der Tod
Ach wie geschwinde und behände
Kann kommen meine Todesnot


Mein Gott, ich bitt durch Christi Blut
Mach's nur mit meinem Ende gut

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